Electrocycling

Electrocycling

Am Dienstag den 13.10 haben Klaus Marwede und Christoph Linde von der Bürgerliste #BadHarzburgkannmehr die Firma Electrocycling GmbH in Harlingerode besucht.

Unsere Gesprächspartner waren die beiden Geschäftsführer, Herr Fröhlich und Herr Selin. Schon vor diesem Termin hatte Klaus Marwede für die Bürgerliste ein Gespräch mit Herrn Breustedt von der Feuerwehr geführt, um sich über Brandursachen und über Brandschutz bei der Firma Electrocycling GmbH zu informieren. Dies sind zunächst die wichtigsten Aspekte, die die Bürgerliste für sich heraus gearbeitet hat, und die zu der folgenden Meinung führen.

Zunächst steht für die Mitglieder der Bürgerliste fest, dass das Recycling von Elektroaltgeräten insgesamt selbstverständlich unverzichtbar ist. Es kann also nicht um die Frage gehen, ob man solche Betriebe überhaupt haben möchte oder nicht. Man möchte diese Art von Betrieben definitiv haben, – und es geht also eher um die Frage wie solche Betriebe arbeiten sollen – und wo man sie ansiedeln möchte.

Würde man eine Standort Entscheidung neu treffen können, so würde man einen Platz suchen, an dem geeignetes Fachpersonal zur Verfügung steht und man würde sich für einen Standort nicht zu nah an einer Wohn-bebauung entscheiden, der im Optimalfall ohnehin schon industriell genutzt wird.

Die Electrocycling GmbH ist seit 1995 eine nach Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG) genehmigt Anlage. Der Standort ist durch die Vornutzung ein eingetragenes Altlastengebiet. Electrocycling nutzt diese Altlast und hat diese Altlast für mehrere Millionen Euro saniert. Somit sind die durch die Altlast vorhandene Gefahren für Mensch und Natur auf ein Minimum reduziert.

Und dann würde man verlangen, dass so ein Betrieb möglichst viel in die technische Qualität des Betriebes und in die Gefahrenabwehr investiert.

Werden diese Maßstäbe anlegt, dann läuft bei der Electrocycling GmbH alles richtig. Die Standortentscheidung ist vertretbar und im Bereich der Gefahrenabwehr wird sogar sehr viel getan. Hier nur ein Beispiel zum Thema Brandschutz: Die Hydranten sind permanent einsatzfähig, so dass Mitarbeiter und anschließend dann die Feuerwehr sofort mit Löscharbeiten beginnen können, sofern ein Brand während der Schichten ausbricht.

Wir konnten uns auch davon überzeugen dass die in der Goslarschen Zeitung erwähnten Wärmebildkameras bereits montiert werden – was in Zukunft die schnelle Branderkennung verbessern soll – insbesondere auch außerhalb der Schichten – wenn also keine Menschen auf dem Gelände sind.

Es ist nachvollziehbar, dass diese Maßnahme nicht in den paar Tagen seit dem Brand ergriffen wurden. Vielmehr hat man diese Schutzmaßnahme auch ohne den Brand von 2020 bereits in Angriff genommen.

Das bringt uns zu dem Brand im letzten Monat:

Die Brandursache war sowohl nach Aussagen der Feuerwehr als auch nach Aussagen der Geschäftsführer ganz eindeutig ein Akku. Für dieses Problem gibt es mittlerweile viele weitere Beispiele in Deutschland (Youtube).

Für diese Art von Bränden ist also eigentlich der Verbraucher selbst verantwortlich, der Elektroschrott einfach in den Müll schmeißt. Die Akkus werden dabei häufig nicht entfernt und damit steigt die Brandgefahr immens. Und das führt nicht nur zu Bränden – sondern auch zu weniger gefährlichen und dennoch unangenehmen Effekten!

Die Bürgerliste hatte u.a. die konkrete Frage eines Bürgers nach lauten Pieptönen auf dem Gelände der Electrocycling GmbH im Gepäck – und das konnten wir sogar life persönlich erleben! Das sind Brandmelder die zusammen mit dem Akku in den Müll wandern – und dann irgendwann Alarm geben, wenn die Akkus schlapp werden.

Einerseits sind die Brandmelder eine sehr zufriedenstellende Erklärung, weil sie den Betrieb als Ursache entlastet. Andererseits ist das natürlich sehr ärgerlich, und da die erste Generation der Brandmelder nun so langsam auf den Recyclinghöfen ankommt dürfte dieses Problem künftig tendenziell noch größer werden.

Auch ein Staubsauger Roboter wurde bei der Betriebsbegehung aufgefunden, bei dem sogar noch die Lampen blinken. Diese Geräte haben schon etwas größere Akkus und kommen auf die Art als Brandursache ganz toll in Frage:

Das Thema „Akku im Müll“ hat uns ziemlich geschockt. Das ist insofern entmutigend, dass die Recyclingindustrie gegenüber dem Phlegma vieler Verbraucher offensichtlich machtlos ist.

Und hierbei kommt ja hinzu, dass es aufgrund der Entsorgungskonzepte im
entsprechenden Gesetz (Elektro G ) schier unmöglich erscheint, Verursacher konkret auszumachen und zur Verantwortung zu ziehen. Es gibt Kommunen die ihren Müll etwas besser trennen und andere halt eben nicht. Und das gleiche gilt für die Entsorgungssysteme der Gerätehersteller. Letztendlich ist es aber zunächst immer ein Endverbraucher, der seine Geräte abgibt ohne den Akku zu entnehmen.

Und dann steht so ein Container auf dem Hof eines Recycling Betriebes und muss tatsächlich von Hand vorsortiert werden. Und das passiert auch. Wir haben uns die Anlagen dafür angesehen.

Diese Art von Bränden wird es also auch in Zukunft geben!

In dem Zusammenhang haben wir unter anderem gelernt, dass es für Betriebe wie die Electrocycling GmbH mittlerweile immer schwieriger wird eine geeignete Versicherung zu finden, und die Electrocycling GmbH ist einer der immer weniger werdenden Betriebe, die noch eine solche Brandversicherung haben. Viele Betriebe bekommen dass aufgrund der Gefahrensituation schon gar nicht mehr gelöst – umso mehr wenn sie weniger in Gefahrenabwehr investieren als die Electrocycling GmbH.

Dieser Aspekt zeigt sehr deutlich wie die Versicherungswirtschaft das Thema Elektro-Recycling im Allgemeinen einschätzt und das sollte uns als Gesellschaft zu denken geben. Sobald man mit einem Risiko kein Geld mehr verdienen kann, ist es eigentlich zu groß (vgl. Atomkraftwerke sind auch ohne Versicherung).

Es müssen neue Konzepte her, wie wir mit unserem Elektroschrott umgehen, aber das kann die Recyclingindustrie nicht allein lösen. Das muss der Gesetzgeber lösen, indem er das künftig anders regelt. Der Verbraucher muss dabei viel stärker in die Verantwortung genommen werden und auch die Kommunen und die Entsorgungssysteme der Hersteller können den Müll nicht einfach bei Recyclingbetrieben auf den Hof stellen und sich damit ihrer Verantwortung entledigen.

Hier ist eindeutig auf die Regelung im ElektroG hinzuweisen, indem es unter § 10 (1) Satz 2 heißt: „Besitzer von Altgeräten haben diese einer vom unsortierten Siedlungsabfall getrennten Erfassung zuzuführen. Sie haben Altbatterien und Altakkumulatoren, die nicht vom Altgerät umschlossen sind, vor der Abgabe an einer Erfassungsstelle von diesem zu trennen. Satz 2 gilt nicht, soweit nach § 14 Absatz 5 Satz 2 und 3 Altgeräte separiert werden, um sie für die Wiederverwendung vorzubereiten.

Noch mal zum konkreten Brand:

Es war im Sinne der Gefahrenabwehr gut zu erfahren, dass der Betrieb die Arbeit der Feuerwehr als ausgesprochen professionell einschätzt. Auf die Feuerwehr lassen die beiden Geschäftsführer nichts kommen. Das wurde sehr deutlich – und es deckt sich mit der Einschätzung der Feuerwehr (Herr Breustedt) die wiederum die Arbeitsweise des Betriebes als professionell und sicherheitsbewusst einschätzt.

Ein letzter bemerkenswerter Aspekt war, dass die Geschäftsführer der Electrocycling GmbH in der Arbeitsgemeinschaft der ortsansässigen Industriebetriebe führend mitwirken – und dort sehr viel der anstehenden Arbeit erledigen, während andere Betriebe (deren Emissionen deutlich kritischer sein dürften) sich unterschiedlich stark engagieren.

Abschließend ist zu sagen, das sowohl Klaus Marwede durch seinen Beruf als Datenschutzbeauftragter wie auch Christoph Linde in seinem Beruf als Zollbeamter immer mal wieder auf Recyclinghöfen tätig sind. Bei beiden war die erste Reaktion auf dem Hof, dass sie einen derart aufgeräumten und sauberen Recyclinghof bis dahin noch nicht gesehen hatten.

Vor diesem Hintergrund findet es Christoph Linde auch rein persönlich vollkommen unfair wie der Betrieb öffentlich teilweise bewertet wird und Klaus Marwede hofft, dass dieser Betrieb es schaffen kann, durch die transparente Art und die offene Gesprächsführung ein eigenständiges, ordentliches Image zu erwerben und nicht mit den anderen Betrieben in Oker Harlingerode über einen Kamm geschert zu werden Mitmachen!

Denn wer meckert muss auch „B“ sagen = „B“ wie Bürgerliste …

Bad Harzburg, 29.10.2020
Christoph Linde, Klaus Marwede